
»I Saw It«: Goyas berühmte Druckgrafiken
Zum ersten Mal sind im Westen der USA Francisco de Goyas vier große Serien von Druckgrafiken in Gänze zu sehen: Das Norton Simon Museum gibt in I Saw It: Francisco de Goya, Printmaker umfangreiche Einblicke in die düsteren Beobachtungen des Künstlers. Die Ausstellung beginnt am 19. April in Pasadena.

Der Spanier Francisco de Goya (1746-1828) steht stellvertretend für einen Wandel in der Kunst: Er ist war ein berühmter Hofmaler, dessen Porträts europaweit begehrt waren. Dieser Renaissance-Beruf starb um 1800 aus, Goya gilt somit als letzter der Alten Meister. Zugleich zählt er als »erster moderner Künstler«, der Einfluss auf viele kommende Künstlergenerationen übte. Der Grund dafür liegt in Goyas Serien von gesellschaftskritischen Druckgrafiken. Ironisch und schonungslos prangerte Goya Aberglaube, Prostitution und Machtmissbrauch durch Adelige und die Kirche an oder zeigte auf nie zuvor gesehene Art und Weise die unfassbaren Grausamkeiten in Kriegen. Manche Blätter wurden kurz nach der Veröffentlichung aus dem Handel entfernt, andere wurden erst Jahrzehnte nach Goyas Tod publiziert: die Kritik ging weit über das hinaus, was gesellschaftlich als akzeptabel galt. Das Norton Simon Museum in Pasadena zeigt nun in der Ausstellung I Saw It: Francisco de Goya, Printmaker alle vier großen Serien in Gänze. Besuchende können vom 19. April bis zum 5. August die seltene Gelegenheit ergreifen, tief in Goyas Welt einzutauchen.
Goyas berühmte Druckserien tragen die Titel Los Caprichos (Einfälle), Desastres de la Guerra (Schrecken des Krieges), La Tauromaquia (Stierkampfszenen) und Los Disparates (Torheiten). Sie entstanden zwischen 1796 und 1824, wurden aber zum Teil erst viele Jahre später veröffentlicht. Die insgesamt über 200 Blätter sind einzigartige Zeugnisse ihrer Zeit und einige, wie das Blatt Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer, das Goya selbst schlafend an einem Tisch zeigt, umgeben von Fledermäusen, Eulen und einem Luchs, sind heute in der Popkultur weit verbreitet. Das Norton Simon Museum stellt neben Goyas Druckgrafiken in der Schau auch Kunstwerke nachfolgender Kunstschaffender aus, die sich auf Goya beziehen. Zu diesen zählen Pablo Picasso, Andy Warhol, Leon Golub, Enrique Chagoya und Yinka Shonibare.
