
Retrospektive der revolutionären Malerin Paula Rego
Hypnotisierend, provokant, brutal – Paula Rego ist seit Jahrzehnten für Grenzen erweiternde, originelle, politische Gemälde bekannt. Das Tate Britain widmet ihr in London noch bis zum 24. Oktober 2021 eine umfassende Retrospektive.

Die 1935 in Portugal geborene Rego verbrachte einen Großteil ihres Lebens in England, wo sie in den 1960er-Jahren eine der wenigen hauptberufliche Künstlerinnen war. Rego malte provokante Bilder, die sich etwa gegen die Diktatur in Portugal richteten oder intime Einblicke in ihr Familienleben mit ihrem an Multipler Sklerose erkrankten Ehemann gewährten. Ende der 90er erlangten vor allem Regos Werke zum Thema Abtreibung eine hohe Aufmerksamkeit - in ihrer Heimat Portugal wurde diese erst 2007 legalisiert. Ebenso griff Rego auch Themen wie Menschenhandel und Genitalverstümmelung bei Frauen auf und konfrontierte die Kunstwelt mit bis dahin selten gesehenen Motiven. Unter anderem wegen dieser Arbeiten gilt Rego als eine Revolutionärin in Bezug auf das Frauenbild in der Malerei.

Für Paula Rego war es stets von großer Bedeutung, in ihrer Kunst Motive aufzugreifen, deren Inhalte gemeinhin nicht als kunstwürdig angesehen wurden. Neben der Abtreibungsserie gehören auch Anlehnungen an Cartoons oder düstere Versionen von Disney-Filmen dazu. Rego will damit dem Snobismus der Kunstwelt, den sie als eine Art Zensur wahrnimmt, entgegen wirken.

Das Tate Britain stellt über 100 Kunstwerke aus dem Œuvre Regos aus und zeichnet so dessen Entwicklung von den 1950ern bis in die 2010er Jahre in ihrer ganzen Komplexität nach. Unter den ausgestellten Bildern finden sich mehrere bisher selten gezeigte Arbeiten, darunter einige, die hier zum ersten Mal in Regos Wahlheimat Großbritannien zu sehen sind.