
Ein anderer Blick auf Modigliani: Retrospektive in der Albertina
Über ein Jahr später als geplant eröffnet nun am 17. September 2021 endlich die große Modigliani-Retrospektive in der Wiener Albertina. Bis zum 9. Januar 2022 wird Modigliani nicht wie üblich als »letzter Bohemien« gezeigt, sondern als Avantgardist und führende Kraft des Primitivismus.

Zeit seines Lebens konnte Modigliani sich mit seinen Werken kaum finanzieren, da er die Entwicklung seines eigenen, persönlichen Stils über die Anwendung von angesagten Kunstströmungen stellte und somit für zeitgenössische Sammler und Galerien wenig interessant erschien. Über den als Maler und Bildhauer tätigen Künstler wurde zwar regelmäßig in der Presse berichtet, allerdings weniger im Zusammenhang mit seinen Ausstellungen, als vielmehr über seinen hohen Alkohol- und Opiumkonsum. Trotz chronischer Tuberkulose führte der aus bürgerlichen Verhältnissen stammende Modigliani ein exzessives Leben in selbst gewählter Armut – in seinen Augen ein notwendiges Opfer für die Kunst. Er wohnte meistens in den Pariser Künstlervierteln Montmartre und Montparnasse bis er 1920 mit 35 Jahren an seiner Erkrankung verstarb.
Modigliani verbindet in seinen Arbeiten Bezüge zur Renaissance mit Inspirationen aus Studien prähistorischer und indigener afrikanischer Kunst – damals »primitiv« genannt. Dieses in der Kunstgeschichte bis dahin einzigartige Zusammenspiel begründet Modiglianis Ruhm in den Jahren nach seinem Tod. Heute zählt er bei Kunstauktionen zu den teuersten Künstlern überhaupt.
Höchstpreise für Modigliani bei internationalen Kunstauktionen
In der Ausstellung werden Modiglianis Werke mit aussagekräftigen Gemälden und Skulpturen von Picasso, Brâncuşi und Derain, mit denen er sich in seiner Schaffenszeit im Austausch befand, sowie mit Artefakten außereuropäischer Weltkulturen verglichen. Etwa 130 Objekte von Leihgebern aus aller Welt, darunter einige der sehr wenigen erhaltenen Skulpturen von Modigliani, formen die erste österreichische Einzelausstellung über diesen außergewöhnlichen Künstler zu einer vielseitigen Retrospektive, die eine neue Sicht auf den Künstler eröffnet.