Im Jahr 1936 begann Helmut Newton in Berlin eine Ausbildung bei der Fotografin Yva. Sie war eine führende Akt- und Modefotografin in der Weimarer Republik und galt in Europa als innovative Fotokünstlerin. Sie experimentierte mit einem in gewissem Sinne genderunspezifischen Menschenbild und nutzte dabei die Mittel der surrealistischen Fotografie, bis ihr 1938 vom nationalsozialistischen Regime ein Arbeitsverbot auferlegt wurde. Newtons Ausbildung bei seinem Idol Yva hat ihn zeitlebens stark geprägt.
Das Museum für Fotografie in Berlin zeigt auch unbekannte Bilder in »Helmut Newton. Legacy«
Am 31. Oktober 2020 wäre Helmut Newton 100 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass plante das Museum für Fotografie in Berlin eine Ausstellung, die Newtons umstrittene, aber einflussreiche Modefotografien und unbekannte Polaroids präsentiert. Nun beginnt die Schau genau ein Jahr später und läuft bis zum 22. Mai 2022.
Ab den 1950er-Jahren arbeitete Newton, der in Australien und später in Monaco und Los Angeles lebte, für verschiedene namhafte Modemagazine, vor allem für die Vogue. Newton verstand es, einen unerreichbaren Glamour, eine Fantasie zu inszenieren, die seine Fotos von denen anderer Fotografen unterschieden. Im Laufe seiner Karriere erhielt Newton zahlreiche internationale Preise und wurde zu einem der teuersten Modefotografen des 20. Jahrhunderts. Er erklärte, er wolle Frauen stark und mächtig darstellen, dennoch wurden seine Fotografien zum Teil als frauenfeindlich kritisiert. Newton, der 2004 verstarb, spaltete die Gemüter wie kaum ein anderer Fotograf seiner Zeit.
Das Museum für Fotografie eröffnet nun am 31. Oktober 2021 zu Newtons 101. Geburtstag eine Retrospektive, die von Matthias Harder, dem Direktor der Helmut Newton Stiftung, kuratiert wurde. Etwa 300 Fotografien Newtons vermitteln einen umfassenden, ganz neuen Eindruck von Newtons langer Schaffenszeit, da rund die Hälfte der Exponate zum ersten Mal gezeigt wird. Ab Sommer 2022 wandert die Ausstellung durch verschiedene, internationale Museen.